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ZwischenZeit

In dieser ZwischenZeit...

Pfarrerin Hanna Jäger + Pfarrer Robert Neuwirt 


In der ZwischenZeit zwischen Schritten, die auf weißen Wegen knirschend Spuren hinterlassen und lauen Winden, die von dem neuen Erwachen der Welt erzählen. In der ZwischenZeit zwischen wolkig-grauen Gedanken, die den Kopf schwer machen und Herzensmomenten, die die Seele aufatmen lassen.
In dieser ZwischenZeit zünden wir eine Kerze an. Wir lassen sie ihr Licht entfalten und ihre Flamme größer werden. Ihr Licht steht dafür, dass wir in dieser Zeit nicht allein sind. Gott ist bei uns. Der Dreieinige. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

     

       • Kerze anzünden 

       • Stille

• zu Psalm 97


Gott behütet uns und hilft uns;

vor wem sollten wir uns fürchten?

Gott gibt uns Kraft und Mut;
wovor sollten wir Angst haben?
Wenn etwas auf uns zukommt,
drohend und gefährlich,
dann verlieren wir nicht den Mut.
Wenn wir meinen, wir schaffen es nicht,

dann denken wir daran, dass Gott uns hilft.

Gott, sei du immer bei uns,
dann sind wir nicht allein.
Alle werden uns einmal verlassen,
auch Mutter und Vater,
aber bei dir sind wir immer zu Hause.
Zeige uns den Weg, den wir gehen sollen;

lass uns erkennen, was gut ist
für uns und andere,
damit wir alle uns am Leben freuen können.

(in: Friedrich Karl Barth, Gerhard Grenz, Peter Horst [Hg.], Gottesdienst menschlich – Eine Agende, Peter Hammer Verlag Wuppertal, Gesamtausgabe 1 1990, S. 158)

• Gebet

 

Wir beten:
Unser gütiger Gott. Du hast uns ein neues Jahr geschenkt. Ein Jahr, auf das wir so viele Hoffnungen gesetzt haben. Jetzt ist es schon über einen Monat alt und wir kommen heute im Gebet zu dir. Wir stehen vor dir in einer Zeit, die müde macht, die Kräfte zehrt und die nach Zukunft fragen lässt. Wir bitten dich: Schenke uns einen neuen Blick, einen erhobenen Kopf. Schenke uns Stärke und Mut. Schenke uns Momente in dieser Zeit, die uns das Herz leicht machen und die Seele aufatmen lassen. Schenke uns deine Gegenwart. Jetzt.
Gott behütet und hilft uns; vor wem sollten wir uns fürchten?                   Amen.

Lied: Auf viele tausend Arten

1  Ich wünsche mir, dass die Tür aufgeht und ein Licht vor die Füße fällt.

    Ich wünsche mir, dass ein Stern mich zieht und zurück auf den Anfang stellt.

2  Ich wünsche mir, dass ein Platz frei ist an dem Tisch dort im blauen Haus.           Ich wünsche mir, dass du für mich singst und ein Dach mir aus Tönen baust.

 

  Refrain:

     Auf viele tausend Arten werden wir drauf warten,

     dass der Wind sich am Ende dreht.

 

3  Ich wünsche mir, dass ein Schiff anlegt, wenn der Morgen die Nacht             aufdeckt. Ich wünsche mir, dass man mich dort braucht und verlasse dann       mein Versteck.

  Refrain

                                                 Text: Matthias Lemme / Melodie: Janosch Kessler 2020

ZwischenZeit

In der ZwischenZeit...
„Und? Wie gehts?“ So fragen mich Menschen, denen ich auf der Straße begegne. Und ich selber hab diesen Satz auch oft auf den Lippen. Nach einem kurzen „Hallo!“ und entweder mit oder ohne einem „Schön, dich zu sehen!“ kommt oft so ein „Und? Wie gehts?“. Und diese kleine Frage kann so Vieles sein. Es kann die oberflächlichste aller Möglichkeiten sein, ein Gespräch zu beginnen. Meistens folgt dann die Antwort: „Ja, ganz gut. Und dir?“. Aber diese Frage kann nicht nur das. Sie kann ernst gemeint sein. Sie kann tief gehen. Sie kann in die Seele sehen. Dann, wenn sie wirklich ernst gemeint ist, hat sie einen anderen Klang. Eine andere Melodie. Wenn sie ernst gemeint ist und auf offene Ohren trifft, dann beginnt eine Beziehung zwischen Menschen zu schwingen. „Und? Wie gehts?“

Ich benutze diese kleine Frage oft. Meistens bei flüchtigen Begegnungen eher unbedeutend-flapsig. Aber oft auch ernst und tief. Und wenn diese Frage auf Resonanz trifft, dann wirft sie Schlaglichter und Spots in das Leben des Gegenübers. Auf Dunkles und Helles. Schattiges und Sonniges. Und jetzt frag ich nochmal: „Und? Wie gehts?“

Ich frag' Sie und ich frag Dich – ich frag Euch, die Ihr diese ZwischenZeit lest und hört. „Und? Wie gehts?“

Ich frag' Euch und wünschte mir Antwort. Weils ernst gemeint ist. Wie gehts Euch in dieser ZwischenZeit, die gar nicht so richtig greifbar ist.

Und? Wie gehts? Mit dieser Frage denke ich an die Schulkinder, die nicht in die Schule können. Ich weiß, dass die Verantwortlichen sich so große Mühe geben, diese Zeit so gut wie möglich zu gestalten – aber ich denke an die, die vor nicht so ganz langer Zeit in die erste Klasse kamen. An die, die einen Schulwechsel hinter sich haben. An die, die eine Ausbildung oder ein Studium begonnen haben. Wie sollen sie lernen, sich in einer Gruppe zurechtzufinden, wie sollen sie ihre Persönlichkeit abarbeiten. Wie soll diese Entwicklung irgendwie wieder aufgeholt werden?

Und? Wie gehts? Mit dieser Frage denke ich an die Seniorinnen und Senioren. An die, die viel zu wenig Besuch bekommen und für die Alleinsein zur Normalität wurde. Ich denke an die, die gepflegt werden, die leiden, weil sie ihre Familie nicht sehen. Wie sollen sie diese Zeit, die ihnen durch die Finger rinnt, je wiederbekommen?

Und? Wie gehts? Mit dieser Frage denke ich an die, die in Gastronomie und Kultur arbeiten. An die, deren Existenz jetzt gerade noch viel schlimmer auf der Kippe steht, als noch vor ein paar Monaten. Ich weiß, wie sehr sie sich mühen. Wie sie neue Wege gehen. Aber ich sehe auch, wie sie leiden. Wie sie ringen und kämpfen.

Und? Wie gehts? Mit dieser Frage denke ich an die Kranken. An die Pflegenden. An die Überlasteten. Und in diesem Gedanken kann ich nur zu Gott rufen: erbarme dich!

Und? Wie gehts? Das frage ich Sie und Euch heute. Wie gehts? Wohin fällt das Schlaglicht in Deinem Leben, wenn ich Dir diese Frage stelle? Sinds diese dunkel- schattigen Dinge, auf die ich eben gerade den Scheinwerfer warf oder sinds andere Augenblicke?

Und? Wie gehts? Wie gehts Ihnen und Dir?

So geh hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dein Tun hat Gott schon längst gefallen.

Diese ZwischenZeit ist für Viele nicht leicht. Da fällt das Schlaglicht schnell auf die Schattenseiten. Das kenne ich von mir selber. Und dabei gehts mir gut – gesichertes Einkommen, Gesundheit und alles, was dazugehört ist im grünen Bereich. Und dennoch: Diese Zeit macht müde und matt. Sie macht ungeduldig und dünnhäutig. Sie fokussiert den Blick auf schattig-dunkel Negatives. Und den Blick auf Anderes zu wenden fällt nicht leicht.

Den Blick zu wenden auf ein selbstgekochtes Essen mit wundervollen Menschen in der letzten Woche.

Den Blick zu wenden auf den Spaziergang voller Lächeln und Lachen in Winterkälte und kaiserlichem Sonnenschein.

Den Blick zu wenden auf die Zeit, die man sich nur für sich selbst nimmt, um den Kopf frei zu bekommen.

Den Blick zu wenden auf die Augenblicke, die so voll sind von Zärtlichkeit und Lachen und Verstehen.

Diese Momente sind da. Diese Herzensmomente, die gut tun und die Seele heilen. Sie sind da. Auch in dieser Zeit. Aber den Blick dort hin zu wenden, das fällt gar nicht leicht. Manchmal schaffen wir das selbst. Aus eigener Kraft. Manchmal nicht. Da braucht es Menschen um uns herum, die liebend ihre Hand unter unser Kinn legen und unseren Blick wieder aufrichten. Da braucht es Gott, der sagt:

So geh hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dein Tun hat Gott schon längst gefallen.

In dieser Zeit braucht es Gott, der sagt: Hey, diese dunkel- schattigen Flecken gibt es. Ja. Aber sie bestimmen nicht dein Leben. Sollens nicht. Dazu bist du zu sehr geliebt. Von mir und von den Menschen um dich herum. Denn schau: Da sind nicht nur dunkel-schattige Dinge. Da ist Licht und Freude und Lachen und Liebe. Ich zeig sie dir. Schau mal. Genieße diese Herzmomente.

So geh hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dein Tun hat Gott schon längst gefallen.

Und? Wie gehts? Amen

• Lied: Spar deinen Wein nicht auf für Morgen (HuT 326)

1 Spar deinen Wein nicht auf für morgen.
 Sind Freunde da, so schenke ein!

   Leg was du hast in ihre Mitte.
 Durchs Schenken wird man reich allein.

2 Spar nicht mit deinen guten Worten.
Wo man was totschweigt, schweige nicht.
      Und wo nur leeres Stroh gedroschen,
da hat dein gutes Wort Gewicht!

3 Spar deine Liebe nicht am Tage
 für paar Minuten in der Nacht.
Hol sie aus ihrer    Dunkelkammer,
 dann zeigt sie ihre Blütenpracht.

4 Spar deinen Mut nicht auf für später,
 wenn du mal "was ganz Großes" bist.
 Dein    kleiner Mut hilft allen weiter,
 weil täglich Mut vonnöten ist.

5 Spar deinen Wein nicht auf für morgen.
 Sind Freunde da, so schenke ein!

   Leg was du hast in ihre Mitte.
 Durchs Schenken wird man reich allein

                                                                        Text und Melodie: Gerhard Schöne, Hamburg

• Gebet und Vater-Unser

Wir beten:
Gott, unser lieber Vater, in dieser ZwischenZeit sind wir bei dir. Du weißt, was in unseren Herzen schwingt. Du weißt, ob wir mit Dunkelheiten zu kämpfen haben. Und deswegen bitte ich dich: Sei bei uns. Sei bei uns in dieser Zeit und in der Zeit, die kommt. Richte unseren Blick auf unsere Herzensmomente und auf die Menschen, die uns brauchen.


- Stille -


Wir beten heute für die Schulkinder, die Jugendlichen, die Studierenden. Wir beten für die, die einen neuen Lebensabschnitt begonnen haben. Du weißt, was in ihren Herzen schwingt. Gib ihnen Halt.


- Stille -


Wir beten für die Seniorinnen und Senioren. Wir beten für die, die allein sind. Für die, die Hilfe brauchen. Du weißt, was in ihren Herzen schwingt. Gib ihnen Halt.
 

- Stille -


Wir beten für die Gastronomie- und Kulturtreibenden. Wir beten für die, die um ihre Existenz bangen. Wir beten für Arbeitgeberinnen und Arbeitnehmer, die kaum noch in die Zukunft sehen können. Du weißt, was in ihren Herzen schwingt. Gib ihnen Halt.


- Stille -


Wir beten für die Kranken, die Pflegenden, die Überlasteten. Wir beten für die, die dich brauchen. Du weißt, was in ihren Herzen schwingt. Gib ihnen Halt.

Zusammen beten wir mit den Worten, die uns miteinander verbinden:

 

Vater unser im Himmel,
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

• Segen
Der Herr segne uns und er behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen

• Stille


• Kerze auspusten

KinderZeit

Diese Zeit ist eine herausfordernde Zeit: Homeschooling und nebenbei arbeiten. Notbetreuung und der Versuch eines Alltags. Alles gleichzeitig. Und vielleicht suchen Sie eine Idee, diese Zeit mit ihren Kindern zu gestalten. Eine kleine Idee zum Basteln oder Ausprobieren.

Und vielleicht ist so ein kleines Projekt jetzt eine schöne Abwechslung. Wir denken auch in dieser Zeit an Sie, die Eltern und Ihre Kinder und wünschen auf eine wunderbare und gesegnete Zeit.

Und nicht nur wir wünschen Ihnen das Beste, sondern Gott tut das auch – das Symbol dafür ist der Segen. Gott wünscht sich Gutes für uns, deswegen schenkt er uns seinen Segen. Und diesen Segen können Sie Ihren Kindern weitergeben. Wenn Sie möchten, legen Sie ihren Kindern die Hände auf den Kopf und sprechen Ihnen den Segen zu

„Jesus Christus hat dich von Herzen lieb. Er segne dich und er behüte dich. Amen“

Musik/ Technik: Norman Hausmann

Illustration/ Satz: Susann Wilhelm 

 

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